Unsere Haut – das größte Organ

Die menschliche Haut – Schutzbarriere mit Außenwirkung

Keinem unserer Organe widmen wir so viel Aufmerksamkeit wie unserer Haut. Wir waschen sie täglich, cremen sie ein; betrachten im Spiegel argwöhnisch jedes Fältchen, jede Unreinheit und jede Rötung. Und dies, obwohl uns selten bewusst ist, dass die Haut tatsächlich ein ebenso lebenswichtiges Organ ist wie Leber oder Milz. Denn anders als die inneren Organe ist die Haut für uns unmittelbar erfahrbar. Wir können sie sehen, riechen, tasten und schmecken. 

Nackte Zahlen

  • Die Haut eines erwachsenen Menschen misst etwa zwei Quadratmeter. Damit macht sie etwa 15 bis 20 Prozent des Gesamtgewichts eines Erwachsenen aus.
  • Mit vier Millimetern ist die Haut an den Fußsohlen am dicksten. Nur eineinhalb Millimeter dick ist sie hingegen an der dünnsten Körperstelle, den Augenlidern.
  • Auf einem Quadratzentimeter Haut befinden sich durchschnittlich 5000 Sinneszellen, 150.000 Pigmentzellen, 15 Talgdrüsen, 5 Haare und je nach Körperstelle 55 bis 750 Schweißdrüsen.
  • Dazu kommen ein Meter Blutgefäße und vier Meter Nervenbahnen.
  • Insgesamt verfügt unsere Haut über je 30.000 Rezeptoren für Kälte und für Wärme.
  • Die Fingerspitzen sind mit etwa 135 Tastrezeptoren pro Quadratzentimeter Haut ausgestattet, am Rücken finden sich dagegen auf einem Quadratzentimeter lediglich sieben.
  • Über die Haut geben wir täglich 0,2 bis 0,5 Liter Schweiß ab. An sehr heißen Tagen, bei großer körperlicher Anstrengung können es sogar bis zu vier Litern pro Stunde werden.
  • Jede Minute verlieren wir circa 30.000 Hautzellen.
  • Etwa alle 27 Tage erneuert sich unsere Haut einmal komplett.


Wichtige Hautfunktionen

Die Haut umschließt uns wie ein schützender Mantel. Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist es, den Körper gegen schädliche Umwelteinflüsse abzuschirmen. Die Hautstruktur verhindert das Eindringen von Wasser, Schadstoffen, Schmutz, Viren, Pilzen und Bakterien. Darüber hinaus fängt sie Druck und mechanische Reize ab, filtert UV-Strahlen und bewahrt den Körper vor Austrocknung. 

Neben diesen Schutz- und Barriere-Aufgaben übernimmt es die Haut, den Wärmehaushalt des Menschen zu regulieren. Sie kompensiert Kälte und Hitze und sorgt über ihre Schweißdrüsen dafür, dass der Körper nicht überhitzt. Bei Kälte stellt sie über Muskelkontraktionen kleine Körperhärchen auf und bildet so einen wärmenden Puffer auf der Hautoberfläche: die Gänsehaut. Dieser Vorgang ist willkürlich und kann nicht willentlich gesteuert werden. Gänsehaut ist ein evolutionäres Erbe aus Zeiten, in denen wir über deutlich mehr Körperbehaarung verfügten, was den wärmenden Effekt verstärkte. 

Unsere Hülle schirmt uns zwar vor schädlichen Umwelteinflüssen ab, das sensible Sinnesorgan ermöglicht uns jedoch auch mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Ohne den Tastsinn der Haut könnten wir unsere Umwelt nur sehr eingeschränkt wahrnehmen. Dabei ist das Berühren von Dingen und Menschen ebenso wichtig für uns wie das Berührt-Werden. Über Hautreaktionen senden wir zudem beständig emotionale Signale an unsere Mitmenschen. Wir werden rot vor Zorn, Angst lässt uns erblassen, Erregung löst eine Gänsehaut aus. 


Die drei Hautschichten

Um ihren unterschiedlichen Funktionen nachkommen zu können, besteht unser größtes Organ aus drei Schichten, die sich deutlich in ihrer Struktur unterscheiden. 

Ganz oben befindet sich die Oberhaut, auch Epidermis oder Hornschicht genannt. Die Epidermis selbst wiederum setzt sich aus verschiedenen Schichten zusammen und bildet den äußeren Schutzpanzer des Körpers. Die oberste Schicht der Epidermis besteht aus abgestorbenen Zellen, die sich fortlaufend als Hautschuppen ablösen. Für Zellnachschub sorgt die darunter liegende Keimschicht. Ihre Aufgabe ist es, immer wieder neue Zellen zu bilden und so die Haut beständig zu erneuern. Außerdem befinden sich hier Farbpigmente, die die Hautfarbe bestimmen und vor kurzwelligen UV-Strahlen schützen.

Unter der Oberhaut folgt die Lederhaut (Corium). Hier sind unter anderem Blutgefäße, Nerven, Schweiß- und Talgdrüsen und Haarwurzeln eingelagert. Auch die Wärme- und Kältekörperchen sowie die Tastkörperchen befinden sich in der Lederhaut. Lediglich die Enden der Sinneszellen reichen bis in die Oberhaut hinein. Bei Verletzungen sorgen spezialisierte Zellen der Lederhaut dafür, dass die Wunde verheilt und sich nicht entzündet.

Die dritte Hautschicht ist die Unterhaut (Subcutis). Sie besteht vor allem aus Fett und schützt Muskeln, Bänder, Knochen und innere Organe vor Stößen von Außen. Darüber hinaus isoliert sie den Körper und dient ihm mit ihrem eingelagerten Fett als Energiequelle.


Spuren eines gelebten Lebens

Mit zunehmendem Alter verändert sich unsere Haut. Sie entwickelt Falten, wird dünner und trockener. Auch kleine hellbraune Flecken an Gesicht und Händen verraten, dass der Mensch älter geworden ist. Je älter die Haut wird, desto weniger Wasser kann sie speichern. Außerdem produziert sie weniger Kollagen. Der Körper baut im Gegenteil sogar vermehrt Kollagen ab. Das führt dazu, dass die Hautelastizität immer mehr abnimmt.

Jeder Mensch altert auf seine Weise. Genetische Ursachen spielen bei der Hautalterung eine ebenso große Rolle wie unsere Lebensgewohnheiten und die äußeren Umweltbedingungen. Ganz besonders übel nimmt uns die Haut, wenn wir sie zu oft und zu viel schädlicher UV-Strahlung aussetzen. Jeder Sonnenbrand und exzessive Besuche im Sonnenstudio schädigen die Hautstruktur nachhaltig. Auch Rauchen, häufiger Alkoholkonsum und zu wenig Schlaf lassen die Haut schneller altern. Gesunde Ernährung hingegen, regelmäßige Bewegung an frischer Luft und ausreichend Schlaf erhalten sie lange jung und faltenfrei.


Reaktionen auf äußere Umstände

Der Volksmund bezeichnet die Haut gern als „Spiegel der Seele“. Tatsächlich können Stress, Ärger, Alltagshektik, Hormone und Emotionen Hautveränderungen hervorrufen, die nach außen sichtbar machen, in welchem inneren Zustand sich der Körper befindet. Täglich benutzen wir eine Vielzahl von Metaphern, die genau diese Verbindung beschreiben: 

  • Etwas geht uns unter die Haut
  • Wir haben ein dickes oder ein dünnes Fell
  • Manchmal möchten wir aus der Haut fahren
  • Gefühle gehen uns unter die Haut
  • Eine erledigte Situation „juckt“ uns nicht mehr
  • Wir kriegen vor Ekel Pickel im Gesicht
  • Ein Schock lässt uns kreidebleich werden
  • Wut färbt uns puterrot

Die meisten der oben genannten Redewendungen haben eines gemeinsam: Sie drücken Stress und negative Umstände aus. Sind wir gestresst, reagiert unsere Haut auf die unangenehme Situation. Sie wird trocken, bekommt Risse, schuppige Stellen und rote Flecken. 


Typische Hautreaktionen auf Stress

Häufige Stress-Symptome sind trockene und schuppige Hautstellen. Sie entstehen, wenn Feuchtigkeit schneller verdunstet, weil die Lipidbarriere der Haut angegriffen wird, zum Beispiel durch Hektik und Stress. 

Auch Pickel können durch Stress hervorgerufen werden. Unter psychischer Belastung schüttet der Körper vermehrt das Männlichkeitshormon Testosteron aus. Dies wiederum kurbelt die Talgproduktion an, was zu Pickeln und Mitessern führt. 

Nervosität, Angst oder Verlegenheit führen häufig zu „Stressflecken“ im Gesicht und in der Halsregion. Tatsächlich reagiert die Haut in solchen Situationen mit einer plötzlichen Erweiterung der Blutgefäße. Dadurch färbt sich nicht nur die Gesichtshaut tiefrot, die vermehrte Blutproduktion heizt dem Körper zusätzlich ein und wir beginnen zu schwitzen.


Hormone, Ernährung und falsche Pflege

Neben Stress spielen auch Hormone eine große Rolle bei der Entstehung von Hautveränderungen. Die Pubertät, eine Schwangerschaft oder die Wechseljahre bringen den Hormonhaushalt derart durcheinander, dass die Haut mit Pickeln, Trockenheit und Ausschlägen reagiert. Auch eine falsche und einseitige Ernährung sowie zu viel Alkohol kann sich in Hautproblemen widerspiegeln. Wichtig ist es dann, ein Pflegeprodukt zu benutzen, das nicht nur zum Hauttyp passt, sondern die Probleme möglichst sanft und natürlich angeht. 


Hautpflege

Ist die Haut bereits geschädigt, sollte unbedingt vermieden werden, sie zusätzlich mit chemischen Mitteln zu reizen. Hautkrankheiten und Hautveränderungen, die länger anhalten, gehören selbstverständlich in die Hände eines erfahrenen Arztes. Dennoch können milde Salben und Tinkturen mit natürlichen Inhaltsstoffen der Haut helfen, sich selbst zu regenerieren. 

Gleiches gilt für Pflegeprodukte. Hier ist weniger oft mehr, denn allzu aggressive Inhaltsstoffe verschiedener Cremes, Seifen und Kosmetika strapazieren insbesondere die Gesichtshaut häufig mehr, als dass sie sie verwöhnen. Zudem basieren viele kosmetische Produkte auf Mineralölbestandteilen und enthalten ebenso schädliche wie überflüssige Duftstoffe, Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe.